© Marcus Jacobs

Die Wohnhausgruppe Waack

Diese Wohnhausgruppe sollte das Wohnraumproblem lösen, gleichzeitig aber komfortabel, kostengünstig und zeitgemäß sein. Mit diesem Vorhaben versuchte otto haesler das Bauprogramm eines Einfamilienhauses mit einer doppelgeschossigen Etagenwohnung zusammenzufassen. Die Wohnhausgruppe Waack steht unter Denkmalschutz.

Einmalig für die Zeit der Weimarer Republik

Hausansicht der Wohnhausgruppe Waack in Celle
© Marcus Jacobs

Ein Auftrag gegen die Überzeugung

In der zweiten Hälfte der 20er Jahre setzte sich otto haesler schwerpunktmäßig mit dem sozialen Wohnungsbau auseinander und versucht, kostengünstiges Bauen mit menschenwürdigem Wohnen unter einen Hut zu bekommen. Ob ihm da der Auftrag des Kreishandwerksmeisters Hans Waack für ein Bauvorhaben mit ausschließlich großen Wohnungen geschmeckt hat? Das Celler Bauunternehmen befand sich in der Schackstraße in Celle. Hier wohnte Waack auch privat und verfügte Mitte der 20er Jahre über ein Baugrundstück, das sich für eine größere Wohnbebauung anbot.

Großes günstiger

Da das Unternehmen bereits mehrfach für otto haesler gearbeitet hatte, beauftragte Waack das Büro haesler mit der Planung der Wohngruppe. In seinem Buch ‚Mein Lebenswerk als Architekt’ beschreibt otto haesler diesen Auftrag wie folgt: „Celle als Sitz des Oberlandesgerichts hatte naturgemäß auch Bedarf an sehr großen Wohnungen. Ich bekam den Auftrag, solche Wohnungen zu bauen und damit musste ich auch die Frage prüfen, ob und wie es möglich sei, auch dieses Wohnprogramm günstiger zu verwirklichen.“

Wohngruppe Waack
© Stadtarchiv Celle
Innenansicht einer Wohnung in der Wohnhausgruppe Waack in Celle
© Marcus Jacobs
Die Wohnhausgruppe Waack in Celle
© Marcus Jacobs

Orientiert am Rektorwohnhaus

haesler entschied sich für die Wohnform des Einfamilienhauses und orientierte sich am Grundriss des kurz vorher errichteten Rektorwohnhauses in der Sägemühlenstraße 7: Drei Wohnräume, dazu Küche und Nebenräume im Wohngeschoß, vier Schlafräume mit Bad im darüber liegenden Geschoss durch eine Treppe verbunden.

Diese Häuser platzierte er in zwei sich gegenüberliegenden viergeschossigen Flachdachwohnblöcken. 14 doppelgeschossige Wohnungen entstanden, die entweder über 140 m² oder über 180 m² Wohnfläche verfügten. Um das Repräsentative des Wohngeschosses zu unterstreichen, verfügt es über eine Geschosshöhe von 3,30 m und über eine schlichte Stuckdecke in den drei Wohnräumen, die sich in Wohn-, Ess- und Herrenzimmer aufteilten.

Alle Merkmale des Neuen Bauens

Der Außenbau wird durch die etwas vorspringenden Treppenhäuser, die variierenden Fensterformen und die angedeuteten Küchenerker mit den sehr, sehr schmalen Fenstern zur Straßenseite, reich gegliedert. „Durch die leicht vorspringenden Erker der Küchen konnte das dafür erforderliche Maß der Raumtiefe eingehalten werden, ohne alle anderen Räume der Wohn- und Schlafgeschosse mit einem Mehrmaß belasten zu müssen“, macht otto haesler in seinem Buch deutlich. „Breite Balkone der Wohnräume, wie deren Fenster um die Gebäudeecken herumgeführt, und entsprechend schmalere vor den Schlafräumen ermöglichen den Austritt ins Freie.“

Es finden sich mit den Übereckfenstern, Erkern und Balkonen und den Flachdächern alle Merkmale des Neuen Bauens. Allerdings ist die Form der Maisonette-Wohnung, eingebettet in einen modernen Baukörper, sehr außergewöhnlich und wahrscheinlich sogar einmalig für die Zeit der Weimarer Republik.

Die Fassade der Wohnhausgruppe Waack in Celle
© Marcus Jacobs
Die Wohnhausgruppe Waack in Celle
© Stadtarchiv Celle

Mit Flachdach keine Förderung

Im Vorfeld dieses Bauvorhabens spitzte sich im Jahr 1927 die Flachdachdiskussion wie zuvor schon bei der Siedlung Italienischer Garten erneut zu. Der Finanzausschuss der Stadt Celle wollte eine Förderung von 200.000 Reichsmark nur dann gewähren, wenn statt des im Bauantrag vorgesehenen Flachdaches die Gebäude mit einem Satteldach versehen würden. Nach langem hin und her konnten sich die Befürworter des flachen Daches durchsetzen. Da waren die Bauarbeiten schon weit fortgeschritten, denn im Mai 1928 zogen die ersten Mieter in die Wohnblöcke mit den hart erkämpften flachen Dächern.

Heutige Situation

Garten in der Waackschen Siedlung in Celle

Leider wurden in den 50er Jahren fast alle doppelgeschossigen Wohnungen in zwei eigenständige Wohnungen umgebaut. Ein „Haus im Haus“ ist erhalten geblieben. Inzwischen hat die Eigentümerin der Wohnanlage zwei übereinander liegende Wohnungen in eine weitere doppelgeschossige Wohnung zurückgebaut. Zurzeit werden die Wohnblöcke denkmalgerecht saniert.

Ein geheimer Tunnel

Übrigens hat otto haesler den Verbindungstunnel zwischen den beiden Wohnblöcken in seinem Buch nicht erwähnt. Der Zugang zum Tunnel erfolgt über die Kellergeschosse. Im zweiten Weltkrieg wurde er als Bunker genutzt.

Der Verbindungstunnel der Wohnhausgruppen Waack in Celle
© Marcus Jacobs

Informationen zum Gebäude

Wo befindet sich die Wohnhausgruppe Waack

Die Wohnhausgruppe Waack ist zu finden in der Schackstraße 5 in 29221 Celle

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Können Gebäude von innen besichtigt werden

Die Wohnhausgruppe Waack kann ausschließlich von außen betrachtet werden.
Wir empfehlen den Besuch im Rahmen einer Führung.

Wie kann eine Bauhaus-Führung gebucht werden

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Alle Infos zu den Touren und vielfältigen Möglichkeiten, das Neue Bauen in Celle zu erleben, bietet der Infoflyer „otto haesler Touren“, den Sie hier in deutscheroder englischer Ausgabe herunterladen können.