© Marcus Jacobs

Die Direktorenvilla im Französischen Garten

„Von der Preußischen Bauverwaltung erhielt ich den Auftrag für die Projektierung und Bauleitung eines Direktorenwohnhauses in Celle für das in der Nähe gelegene staatliche Gymnasium“, beschrieb otto haesler den Bauauftrag in der Magnusstraße.

Wohnsitz - Jugendzentrum - Galerie

Außenaufnahme der Direktorenvilla in Celle am Tag
© Haeslerstiftung

Die Schüler immer im Blick

Da der Wohnsitz des Direktors in sichtbarer Nähe zum Gymnasium Ernestinum platziert werden sollte, wurde ein Stück vom Französischen Garten für den Neubau zur Verfügung gestellt. otto haesler legte besonderen Wert darauf, das Gebäude nicht schwerfällig, sondern möglichst leicht als „interessante Gebäudegruppe in die reizvolle Staffage dieser Parkanlage hineinzumodellieren.“ Den schlammigen Untergrund zwischen Magnus- und Stadtgraben versuchte er mit eingerammten Pfählen und der leichteren Stahlskelettkonstruktion zu kompensieren.

Trockenboden im Erdgeschoss

Das Gebäude ist großzügig konzipiert und weist eine Wohn- und Nutzfläche von 350 m² auf. Da sich durch die Flachdächer kein Wäscheboden ergab, wurde im Erdgeschoss ein geräumiger Trockenraum mit Lamellenfenstern geschaffen.

Das Herzstück im Innenbereich stellt der Wohnbereich mit dem herrlichen Blick in den Französischen Garten dar. Die hohen Räume, im Erdgeschoss 3,50 m und im Obergeschoss 2,70 m unterstreichen das großzügige Ambiente: In diesem Haus geht es nicht schlicht um´s Wohnen, sondern hier empfängt eine in der Stadt anerkannte Persönlichkeit seine Gäste, zieht sich zur Klausur in das repräsentative Arbeitszimmer zurück oder führt hier Personalgespräche und empfängt Vertreter der Stadt.

Aufbau der Direktorenvilla in Celle, Aufnahme aus dem Stadtarchiv
© Stadtarchiv Celle
Außenaufnahme der Direktorenvilla in Celle aus dem Stadtarchiv
© Stadtarchiv Celle
Die Direktorenvilla in Celle am Abend
© Haeslerstiftung
Außenansicht der Direktorenvilla in Celle

Vom Jugendzentrum zur Galerie

Bis 1954 wurde das Haus als Wohnhaus für die Direktoren und andere Mitarbeiter des Ernestinums genutzt. Danach bezog der DGB das Gebäude und auch das Standesamt der Stadt Celle war zeitweise dort untergebracht. Seit 1972 diente es 25 Jahre lang als Jugendzentrum. Diverse Veränderungen hatten im Laufe der Jahrzehnte die Architektur des Neuen Bauens stark beeinträchtigt.

Anfang der 80er Jahre gab es sogar Pläne, das Direktorenhaus abzureißen. Der Celler Kunstexperte Dietrich Klatt entdeckte damals den künstlerischen Wert des Gebäudes und rückte das gesamte Schaffen otto haeslers in das öffentliche Bewusstsein.

Im Jahr 2005 führte die Stadt Celle eine umfassende Sanierung des damals 75 Jahre alten Gebäudes durch. Die Raumaufteilung und die Farbigkeit wurde wieder in den Originalzustand versetzt, die Bausubstanz gesichert und das Haus technisch an heutige Anforderungen angepasst.

Retten, was zu retten ist

Treppenhaus der Direktorenvilla in Celle
© Marcus Jacobs

Alle Elemente, die noch irgendwie zu retten waren, wurden aufgearbeitet und wieder verwendet. Auf diese Weise konnten beispielsweise fast alle Fenster erhalten werden. Das Gebäude ist mit Kastenfenstern im Wohn- und Arbeitsbereich versehen, während die Fenster in Küche, Flur und Treppenhaus mit einer für die damalige Zeit außergewöhnlich fortschrittlichen Doppelverglasung ausgestattet waren.

Treppenhaus in der Direktorenvilla in Celle
© Marcus Jacobs

Zentraler Lichtblick

Selbst das senkrechte Fensterelement des Treppenhauses aus Eisen, das teilweise zugemauert war, konnte erhalten werden. Heute lädt das Treppenhaus mit den 90 Jahre alten Eichenholzstufen, dem schwarz gestrichenem Handlauf, dem blassgelben Metallgitter sowie den nachempfundenen Lichtschaltern aus den 30er Jahren zu einer Zeitreise ein und bietet einen zentralen Lichtblick im Gebäude.

Das Direktorenwohnhaus (heute als Direktorenvilla bezeichnet) und das zuvor errichtete Rektorwohnhaus neben der Altstädter Schule sind die einzigen Einfamilienhäuser, die haesler in der Zeit der Weimarer Republik im Stil des Neuen Bauens errichtet hat.

Die Rennaissance der Villa

Die Direktorenvilla war der letzte größere Auftrag für otto haesler in Celle. Die Nationalsozialisten, die in Celle ab 1930 immer mehr an Einfluss gewannen, lehnten alle Formen des Neuen Bauens strikt ab.

Heute befindet sich in dem Gebäude die galerie dr.jochim im Haesler Haus. Vom 9. Mai (Premiere) bis zum 26. Juni 2019 ist die Direktorenvilla Schauplatz und Bühne des Theaterstücks „Haesler für ein neues Celle. Ein Architekt und seine Gegner“ vom Schlosstheater Celle.

Außenaufnahme der Direktorenvilla in Celle am Tag
© Haeslerstiftung

Informationen zum Gebäude

Wo befindet sich die Direktorenvilla

Die Direktorenvilla befindet sich in der Magnusstraße 5 in 29221 Celle.

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Kann die Direktorenvilla von innen besichtigt werden

In den Räumlichlichkeiten der ehemaligen Direktorenvilla befindet sich seit 2006 die galerie dr. jochim. Hier finden Sie zeitgenössische Graphik, Gemälde, Skulpturen, Plastiken und Keramik.
Am 12. Mai 2019 wir dort eine Ausstellung mit Architekturfotos von Arthur Köster, dem wichtigsten Fotografen des Neuen Bauens, eröffnet.

Öffnungszeiten der galerie dr. jochim:
Do - Fr: 14:00 - 18:00 Uhr
Sa: 11:00 - 16:00 Uhr

Erweiterte Öffnungszeiten sind auf Anfrage möglich

Wie kann eine Bauhaus-Führung gebucht werden

Stellen Sie Ihre Anfrage beim Gästeführungsdienst der Celle Tourismus und Marketing GmbH.

Gästeführungsdienst
Markt 14 - 16
29221 Celle
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fuehrungen@celle-tourismus.de

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Auch interessant: Flyer "otto haesler Touren"

Alle Infos zu den Touren und vielfältigen Möglichkeiten, das Neue Bauen in Celle zu erleben, bietet der Infoflyer „otto haesler Touren“, den Sie hier in deutscheroder englischer Ausgabe herunterladen können.